Galopprennen… das sind muskelbepackte Vierhüfer, kunstblumenverzierte Hüte, hellrosa geringelte Mikroreiter und wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann, eine laut tösende Einflugschneise des Hannover Airports! (Rechts unten sieht man übrigens meine fotoscheue Begleitung Frau “Hör mal wer da hämmert”-Wilson.) Diesen graziösen und empfindlichen Vollblütern sollte man ja in ihrer Konzentrations- und Vorbereitungsphase ordentlich was um die Lauscher hauen. Vielleicht bringe ich beim nächsten Mal mein Ganzkörperschlagzeug samt Banjo und Mundharmonika mit und musiziere den Pferden bei der Vorstellung einen um die Ohren. Aber sagen wir mal so, das mit den Urlaubsfliegern über einem hat ja wieder was von Welt, oder?

Kaum eingelebt im Reich der Schönen und pfandgeldwettenden Hartz IV Familien, wurde auch gleich ein Blindtipp mit 2 Euro Einsatz riskiert. Ich entschied mich für “Platz-Zwilling”. Das klang so schön nach dem Willen den man verspürt, während “Twins” mit Arnold und DeVito in der Glotze läuft, ist aber nix anderes als zwei Pferde unter den ersten Drei richtig zu tippen. Das kann ich!
Wenn man überhaupt keine Ahnung hat, ist ein mitgetipptes Rennen an Spannung kaum zu überbieten. Da man die aufwendig und an jeglichem Geschmack vorbeigenähten Jockey-Roben sowieso nicht im entferntesten erkennen kann, konzentriert man sich einfach auf den Rennbahn-Sprecher aus den kratzenden Tribünen-Lautsprechern. Das einem dies weiterhilft möchte ich nun nicht mehr unterschreiben: “Lips Arrow zieht vorbei an Pastellrosa, auf den Plätzen folgen Private Motion und It’s my shadow, abgeschlagen scheint Sachsengold, Private Motion drückt, Pastellrosa innen, Lipsarrgeht weiter, Sachsenholtauf, noch100shadow, LipsmotiongoldNASENlänge, Pastellprivimorrow Mygoldochsenlips GEEEWIIINNNT uuunerwartet” WATT??? WER???
Nachdem der Sprecher sich ein Schlückchen Wasser aus der Pferdetränke gegönnt hatte, war es ihm möglich den endgültigen Einlauf anhand von Zahlen zu resümieren. Welch ein Segen, man durfte endlich teilhaben am Ergebnis. GEWONNEN!!! Ich habe gewonnen! Mein blind getippter Aussenseiter verhalf mir zu 41 Euro cash auf die Pfoten. Super! Wer ist der Pferdeflüsterer, wer?
Ich war motiviert. Ja, im nächsten Rennen wird richtig abgesahnt ihr Unwissenden!

Ich setze 5 Euro auf Sieg. Björndal wird mich zur Yacht vor Malle führen. Heute! Ganz sicher. Regal Warning, Supervisor und wie sie alle heissen, David, Cevin und Julian Marinow (dem mal einer sagen sollte, dass er die 3,5 kg Pferdeäpfel nicht in seinen Hosentaschen mitnehmen muss) können eigentlich schon einpacken. Das wird ein Galopp für’s Jahrbuch. Geschworen!
Für alle diejenigen, die sich von meinem unbändigen Erfolg ein Bild machen wollen, bitteschön (ich habe Björndal mal markiert):

Ruhe auf den Rängen. Ernüchterung machte sich breit. Ich nahm das Los, warf es in die Lucky Loser Lostrommel und hoffte, mit den 900 anderen Verlierern wenigstens noch die halbe Eintrittskarte für den Toilettenbereich des naturhistorischen Museums abzustauben. Bis jetzt hat sich aber noch niemand gemeldet. Echt schade!